Star Peace

Lieber IS, eine Beichte: Mein Talent für Mathematik war immer recht überschaubar. Sobald es in die höheren Sphären driftete auf dem Lehrplan, meldete ich mich offiziell ab. Gebrochen rationale Funktionen dritten Grades? Eher nicht. Ich erklärte also dem jeweiligen Lehrer, dass dies in meinem Leben nach der Prüfung nie mehr vorkommen werde, und kalkulierte die schlechte Note (mathematisch) ein. Für alle jüngeren Leser: Ich behielt Recht. Nie mehr vorgekommen. Das war keine hellseherische Fähigkeit meinerseits, sondern schlicht angewandter Menschenverstand.

Die zwei Ausnahmen innerhalb der Mathematik waren die Teilbereiche Geometrie und Wahrscheinlichkeitsrechnen. Das konnte ich. Weil es direkt in der Realität anwendbar ist. Geometrie ist schlicht die Kunst, nicht in Hauswände zu laufen. Wahrscheinlichkeiten brauchen wir täglich, um abzuschätzen, wie wir uns am besten verhalten sollten. Wir tun dies dauernd, automatisch, und meist völlig richtig. Aus Erfahrung. Wir geniessen den Nachthimmel und empfinden ihn als Inbegriff absoluter Schönheit. Aber wir werfen keinen Stein Richtung Mond in der Hoffnung, ihn zu treffen, auch wenn er voll und gross scheint. Oder nur einmal als Kind, um dann erstaunt zu sein über die Lautstärke, welche Nachbars Auto-Alarmanlage hat in der sonst so stillen Nacht.

Ich bin absoluter Ästhet. Der Sternenhimmel ist immer wieder phänomenal für mich. Ich fühle mich gleichzeitig verloren und ergriffen. Jedesmal. Das Mass aller Dinge für Schönheit. Neben einem Aston Martin. Oder einem richtig guten Fussballspiel. Neben den rein emotionalen Bewegungen faszinieren mich auch immer wieder die reinen Fakten. Die Distanzen zwischen den Planeten, gigantisch. Allein schon, dass „Lichtjahr“ nicht als Einheit für Zeit wie eigentlich logisch, sondern für Distanz eingeführt werden musste, um überhaupt mit den Werten arbeiten zu können. Dass unser Sonnensystem nur eines von X ist. Und dieses unsere schon riesig. Unfassbar eigentlich für unsere Vorstellungskraft, welche auf irdische Massstäbe ausgelegt ist.

Wer kann sich ernsthaft die Masse der Erde vorstellen? Oder eines anderen Planeten? Nur um dann zu hören, dass 98,8 Prozent der Gesamtmasse unseres Sonnensystems alleine die Sonne in sich trägt? Himmel, sind wir winzig. Die Bausteine, Elemente, aus denen unsere Körper bestehen, sind statistisch absolut irrelevant. Der Lauf der Zeit wird von anderen Dingen bestimmt, sicher nicht von uns. Das gilt auch wörtlich: Wir sind in der Lage, bis an den Urknall zu schauen mit unseren Periskopen. Wir reisen also in der Zeit, wissenschaftlich. Und zwar 14 Milliarden Jahre zurück. Wie hoch ist noch mal die durchschnittliche Lebenserwartung von uns?

In diesem Blog geht’s immer wieder um die Frage, ob man den Islamisten humoristisch und manchmal auch anders auf die Kappe scheissen darf. Und um die Antwort: Ja, darf man, muss man dürfen. Wenn dann wie letztes Wochenende Vollmond ist, ich nicht schlafen kann und rauchend und frierend auf dem Balkon stehe, dann denke ich mir manchmal, es ist völlig egal, wie oder ob man sich gegen solche Auswüchse von fundamentalen Irren wehrt. Schliesslich sind wir weder historisch noch örtlich im All in irgendeiner Weise relevant. In den traurigen Momenten ist dies ein Grund, aufzuhören. In den guten die beste Begründung für absolute Freiheit. Was auch immer passiert, selbst im finalen Fall; es wird kein Stein vom anderen rollen, sind wir ehrlich.

In diesem Sinne, lieber IS, liebe Fanatiker, euer Mohamed war n Zellhaufen unter Milliarden. Während eines irrelevanten Zeitraums. Das ist schlicht Wahrscheinlichkeitsrechnen. Und Menschenverstand. Wenn ihr gut drauf seid, macht das Beste aus der absoluten Freiheit, die euch die Gegenwart gibt. Wenn euch das deprimiert, und ihr suizidale Momente bekommt deswegen, nachvollziehbar. Sprengt euch einfach alleine im Wald in die Luft. Ihr wisst ja wie´s geht. Euer Leitfaden ist ja schliesslich „A religion of peace. One piece here, one over there…“