Schwarm-Idiotie II

Fiktion und Realität, eine kleine Geschichte. Als das Buch „Fatwa Deppen“ in die Tasten gehauen wurde, erfand der Autor bewusst einen Filmemacher, der sich in einem fiktiven Film nach dem Vorbild von „Life of Brian“ über Mohamed lustig macht. Die Folgen dieser Idee werden dann in dem Buch behandelt. Das Buch erschien, es war ein Roman.

Lieber Leser. Wer nun den Eindruck hat, er habe diese Zeilen schon mal gelesen, der irrt nicht. Gestern. Einfach weiterlesen. Der fiktive Journalist in dem Buch, welcher den Filmemacher zu seinem Projekt befragt, wurde im Roman in die Thematik Terror hineingeboren. Er kam auf die Welt, als über Zürich ein Passagierflugzeug per Bombe gesprengt wurde.

Dieser Teil ist nicht Fiktion, wer vor 1970 auf die Welt kam erinnert sich. Die anderen können es nachlesen. Von den 47 Insassen, die meisten Schweizer, überlebte keiner. Die Leichenteile waren so klein, dass die Fetzen wild auf irgendwelche Särge verteilt wurden, um den Angehörigen „jemanden“ zur Bestattung zu übergeben. Der Bundesrat tagte 24/7, die Politik sah sich der grössten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg gegenüber. Bis heute ist der Anschlag in seinem Ausmass einzigartig für die Schweiz.

Die Vorgeschichte ist gut dokumentiert. Die Attentäter hatten zuvor versucht, eine israelische Maschine auf dem Rollfeld anzugreifen. „Nur“ ein Toter. Die Attentäter, Palästinenser der PLO, wurden festgenommen. Kurz darauf holten die Drahtzieher Plan B aus der Schublade. Die Passagiere hatten diesmal keine Chance. 47-facher Mord, juristisch keine Verjährungsfrist.

Die „Reaktion“ auf die Anschläge verdient wiederum die Anführungszeichen in fett. Jedes freiheitliche Land, das sich selbst so bezeichnet, verhandelt nicht mit Terroristen. Weil man erpressbar wird. Weil man damit das Zeichen setzt, dass Terror funktioniert. Weil damit der Wert des Lebens der eigenen Landsleute relativiert wird. Weil kein valabler Verhandlungspartner am Tisch gegenüber sitzt. Wir kennen das aus unzähligen Hollywood-Streifen.

Die Schweiz sah das, sagen wir, „anders“. Die Ermittlungsakten zum Anschlag über Zürich wurden verschwunden. Die Festgenommenen sassen plötzlich in Flugzeugen gen Arabien. Die Drahtzieher, namentlich bekannt inklusive Wohnadressen, wurden nicht verfolgt. Einer der Bundesräte verhandelte Auge in Auge mit einem Mitglied der PLO darüber, dass die Schweiz die Ziele der Palästinenser „neutral“ unterstützen werde, wenn die PLO ihrerseits die Schweiz in Zukunft von Anschlägen verschone. Der Deal wurde eingefädelt, die Schweiz hatte seither nichts mehr zu befürchten. Und machte dafür bei der UNO Stimmung pro Palästinenser. Die PLO war, zur Erinnerung, damals auf der Terrorliste wie heute ein IS oder Al Kaida.

All dies belegt ein neues Buch, das von einem NZZ-Journalisten recherchiert und gerade veröffentlicht wurde. Wäre grade kein WEF, Bern hätte erneut Sondersitzungen verdient. Was der „Tagi“ gestern noch mit „Ein heikler Deal“ überschrieben hat, ist in Wahrheit ein ausgewachsener Skandal. Oder wie will man jemals den Angehörigen der Toten erklären, was damals passierte, ungesühnt, bewusst in Kauf genommen?

Übrigens: Der Bundesrat hatte damals einen Handlanger, der sich „geehrt fühlte“, für den Deal eingespannt zu werden (Eigenzitat). Jean Ziegler, Vorzeige-Linker aus Genf, bis heute bei der UNO, damals Parlamentarier. Auf die bösen Kapitalisten einzuprügeln fällt ihm seit Jahrzehnten leicht. Die Mitverantwortung für die Verschleierung von mehrfachem Mord zu übernehmen ist nicht so seine Sache, wie es scheint. In dem Buch des NZZ-Journalisten jedenfalls bereut er nichts. Genauso wenig wie der Drahtzieher der Anschläge: Der Autor konnte ihn problemlos finden, und befragen.

Die Bücher von Jean Ziegler werden weiter auf den Bestsellerlisten Sachbuch stehen. Gekauft von vielen, vielen Leuten, die dem Autor recht geben. Oder so zumindest ihr Gewissen beruhigen, bevor sie sich wieder ökologisch schwachsinnig verhalten. Das sind Tausende, Zehntausende, die das lesen, darüber sprechen, sich Zieglers Ergüsse in Talkshows ansehen. Schwarm-Intelligenz…da war doch gestern schon irgendwas, richtig?

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