Jahresrückblick 2015

Januar: Ich sitze an einem an sich lauschigen Nachmittag im Metro (wo sonst), als meine Mittrinker mit Push-Nachrichten aus Paris eingedeckt werden. Die Redaktion von Charlie Hebdo wurde von Islamisten zum Schlachtfeld gemacht. Mit dem Chefredaktor war ich in Mail-Kontakt gewesen, wegen meines Buches „Fatwa Deppen“. Über die toten Juden in einem Supermarkt redet kein Mensch mehr. Viel zu spät realisiert die westliche Welt, dass Freiheit ohne Kampf dafür nicht zu haben ist. Ausser ein paar Dauerlinken. Und unserer Bundespräsidentin, die als erstes twittert, Satire dürfe nicht alles. Da war das Blut noch nicht trocken. Fremdschämen.

Februar: Griechenland. Wahlen. Neuwahlen. Tsipras. Ankündigung von Revolution und Reformen. Passiert ist nichts. War klar, sind schliesslich Griechen.

März: Kobane kannte bisher keine Socke. Eine Stadt in Nordsyrien, an der Grenze zur Türkei. Ein bisschen wie Kreuzlingen – Konstanz. Die Türken gehen „Krieg gucken“. Die Kurden kämpfen gegen den IS. Erstmals nimmt der Westen die Islamofaschisten ernst. Weil die Kadenz geköpfter Menschen im Internet immer kürzer wird. Und die Kurden allein gegen einen übermächtigen Gegner kämpfen, und siegen. In Nahost sind manchmal Gut und Böse schwer auseinanderzuhalten. Dies ist die Ausnahme.

April: Ukraine, stimmt, da war doch was. Krieg in Osteuropa. Geführt von Russland. Sanktionen gegen Putin, ja. Aber nicht zu viel. Der Taktiker verlagert seine Armee nach Syrien, um Assad zu unterstützen, nebenbei auch im Kampf gegen den IS. Seither ist klar: Assad wird bleiben. Putin wird gebraucht. Soviel Mut zur Kriegsaktion überfordert den Westen. Russland lacht.

Mai: Der IS erobert die Stadt Palmyra in Syrien. Weltkulturerbe. Kaum ein Ort hat diesen Begriff wohl so sehr verdient. Eine Perle in der Wüste, tausende Jahre alt. Der IS startet die Zerstörung der Bauwerke, weil unislamisch. Allein deshalb hätten Nato und Kollegen die Kämpfer schon in Grund und Boden bomben müssen. Passiert ist das Selbe wie immer. Nada.

Juni: Europa muss sich mit einem neuen Phänomen auseinandersetzen. Flüchtlingen, massenhaft. Was im Sommer schlimm ist, wird im Herbst und Winter noch schlimmer. Und wenn Ikea günstige Unterkünfte kreiert, dann interveniert die Feuerschutzpolizei in Zürich. Bürokratie at it´s worst.

Juli: Sommer. Und zwar wirklich. Normalerweise hat man ihn hier verpasst, weil man grade auf dem Klo war. Nun sind portable Klimaanlagen ausverkauft. In meiner Wohnung nach Minergie-Standart herrschen um Mitternacht noch 29 Grad. Bei allem Umweltschutz: Ich bin auch Umwelt. Die Klimaanlage rattert.

August: Der IS wütet weiter. Menschen werden geköpft, gekreuzigt, gesteinigt, ertränkt, angezündet, von Gebäuden geworfen. Die Bilder dazu sind jedem zugänglich. Fünf Stunden Flugzeit von hier. Nicht auf der Rückseite des Mondes. Niemand, wirklich niemand wird sagen können, er hätte davon nichts gewusst. Das Mittelalter kämpft um die Übernahme der Aufklärung. Erderwärmung, Atomenergie, alles ok. Aber wie erklären wir DAS den kommenden Generationen? Hier werden gerade Kapitel für neue Geschichtsbücher geschrieben. Und der Stoff ist schwer zu verdauen.

September: Kurz leichte Kost. Die FIFA. Sepp Blatter. Falls der Duden Erklärungen braucht zu den Begriffen Erbärmlich, Machtbesessen, Realitätsverweigerung, Blatters Bild passt immer als Synonym.

Oktober: In eigener Sache: Mir reicht´s. Also baue ich meine Homepage um, und starte den Blog, den auch ihr hier lest seither. Der Inhalt ist Monothematisch den Schwachmaten, Idioten, Religionsfuzzis und Terroristen gewidmet. Mit anderen Worten, den Islamofaschisten und ihren Anhängern. Montag bis Freitag schreib ich je n Text. Die Themen gehen mir nicht aus, dazu sind die Arschlöcher zu aktiv. So entstehen über die Wochen und Monate einige Texte, man rechne selbst.

November: Ich schaue mir das Freundschaftsspiel Frankreich – Deutschland bei ARD an. Es knallt zweimal laut, vor dem Stadion. Der Spieler im Ballbesitz unterbricht selbst kurz, er ist sichtlich geschockt. Kurz darauf ist es die ganze Welt. Das Grauen bricht über die Stadt des Lichts. 11/13/15. Ja, die meinen es wirklich ernst, wenn sie uns den Krieg erklären. Bin gespannt, ob die Sympathien und das Mitgefühl wachsen, wenn nächstes Mal in Israel ein Anschlag passiert. Übrigens: Dort stechen Palästinenser Juden ab. Täglich. Seit Wochen. Kaum zu verhindern sicherheitstechnisch. Bei uns heisst das „Messerattacken“, unter Kurz notiert im Auslandblock. Der Richtige Begriff lautet „Mord“. Der Blog wird ungewollt aktueller denn je, und die Leserzahlen steigen. Kurz.

Dezember: Hilflosigkeit übernimmt. Wie es weitergehen soll, keine Ahnung. Freier Fall, in Erwartung eines Aufschlags. Und die sinnlose Hoffnung, dann zumindest wieder Boden unter den Füssen zu haben. Nicht nur, aber speziell die letzten Monate haben mir gezeigt, dass Beschreiben nicht reicht. Ein Blog, den kaum einer liest, alles für n Eimer. Welche Konsequenz das hat, ob und wie ich den Schalter umlegen könnte, um etwas „zu tun“, ich weiss es ehrlich nicht. Momentan entstehen grade ein paar Pläne. Ob einer umzusetzen ist, und dies zwingend bald, weil ich so nicht weitermachen kann, ihr werdet es erfahren.

Alles Gute euch für 2016.

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