Heiliger Schein

Mal angenommen, eine global agierende Firma, ein Grosskonzern, bekommt einen ausgewachsenen Skandal ab. Nennen wir den Konzern… ein reiner Phantasiename natürlich, UBS. Der Konzern hat´s so richtig verkackt, viele Menschen müssen darunter leiden, weltweit. Die Konzernleitung stellt sich natürlich erstmal taub, blind und doof. Dann hat man sich mit gut bezahlten Anwälten abgesprochen, und bestreitet alles. Die Menschen lassen sich selbstverständlich nicht für dumm verkaufen, und bilden sich ihre Meinung.

Völlig fallen lassen will man die Firma, nennen wir sie weiter UBS, natürlich emotional nicht. Sie ist im eigenen Raum, Land, Ort irgendwie schon seit Menschengedenken verwurzelt. Also sucht man schon reflexartig auch mal den Fehler bei denen, die den Skandal aufdeckten. Was mag wohl deren Motivation sein, gegen die UBS zu agitieren? So schlimm wird´s doch nicht gewesen sein. Die anderen grossen Konzerne (Phantasienamen hier einfügen) haben doch bestimmt auch Dreck am Stecken. Also ist alles relativ, richtig? Die sollen doch erstmal vor der eigenen Haustür…

Nachdem die Medien den Skandal mit täglich neuen Informationen an die Öffentlichkeit gebracht haben, meldet sich irgendwann der Chef einen Konkurrenz-Konzerns. Nennen wir den Konzern, einfach so, CS. Der Oberchef erklärt medial, wieso in seinem internationalen Betrieb so etwas nie hätte passieren können. Und wieso man selbst schon seit Jahren, eigentlich immer, gegen genau solche Auswüchse angekämpft hätte, wie sie nun bei der Konkurrenz vorgekommen seien. Erfolgreich natürlich. Ehrenwort. So wahr ihm Gott helfe.

Cut.

Martin Grichting ist Generalvikar des Bistums Chur. Er sagt, religiös motivierte Christen könnten sich nicht auf Jesus berufen, muslimische Gewalttäter aber auf Mohamed. Im Islam sei wiederum die Religion alles: Glaube und staatliches Gesetz. Man muss weder Bibelexperte noch Islamforscher sein, um zu sagen, stimmt.

Seiner Meinung nach muss man verstehen, dass eine freie, die Menschenrechte achtende Gesellschaft, sich nur dort entwickeln konnte, wo das Christentum den Boden bereitet hat. Dazu habe Jesus die Trennung von Kirche und Staat propagiert. Selbst wenn man Bibel- und/oder Islamforscher sein sollte, muss man sagen, stimmt nur sehr bedingt.

Eine, wie er sagt, „die Menschenrechte achtende Gesellschaft“, entstand tatsächlich in Staaten (und nur dort), wo das Christentum den „Boden“ gelegt hatte. Nur, diese Rechte und Freiheiten wurden GEGEN den Willen der Kirche durchgesetzt, häufig auch durchgeprügelt. Die Zeit der Aufklärung war keine friedliche. Und egal was Jesus propagierte, die Aufklärer mussten sich gegen das „Heilige römische Reich deutscher Nation“ in Westeuropa durchsetzen, phasenweise mit drei Päpsten. Nomen est Omen. Das Wort „heilig“ in der Staatsbezeichnung ist nicht zufällig.

Gerade wurden die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben. Der Westen, die ganze Welt, erhofft sich Milliardendeals. Es überwiegt grade die Hoffnung, dass sich die Mullahs an nun doch an Abmachungen halten, und vielleicht nicht mehr an Massenvernichtungswaffen bauen. Als viele Iraner vor einigen Jahren auf die Strasse gingen, um für Freiheit und Menschenrechte, ihre Aufklärung zu kämpfen, wurde die Grüne Revolution niedergemacht. Zahl der Opfer, der „Verschwundenen“, Gefolterten, unbekannt. Die offizielle Staatsbezeichnung des Landes lautet übrigens „Islamische Republik Iran“. Alles weitere, siehe oben.