Als Mohamed zur Fasnacht

Sehr ungeehrte Islamofaschisten, liebe Leser. Es ist Anfang Februar, und es schneit. Völlig unerwartet, in einem Land wie der Schweiz doch doppelt! Laut Umfragen fährt ein Viertel aller Autos hier auf Sommerreifen durch die Wintermonate. Man darf gespannt sein, wie viele es diesmal erwischt. Aus heiterem Himmel, selbstverständlich.

Apropos geistig umnachtet. Jean Ziegler hat sich halbherzig bei den Opfern des Anschlags auf die Swissair-Maschine 1970 entschuldigt (siehe Artikel vor einigen Wochen). Dass allerdings seine Aktion, mit der Terror-Organisation PLO gemeinsame Sache zu machen, illegal gewesen sein könnte, dazu kommt kein Wort über seine Lippen. Grossartig. Es sind schon Leute für weniger in geschlossene Kliniken eingeliefert worden. Oder ins Gefängnis.

Das Wetter könnte zum entscheidenden Faktor werden für die kommenden Tage. Denn es ist Fasnacht, fünfte Jahreszeit. Während die meisten Schweizer diese gar nicht oder saufend verleben, ist in Deutschland der Teufel los. Alaaf. Und nach den Vorfällen in Köln zu Silvester geht nun auch die Angst um. Denn all das Feiern, Trinken, Tanzen und zwanglose Poppen könnte natürlich Leuten wie euch, liebe Islamisten, als Bestätigung dienen. Alles degenerierte Westler.

Bei einigen Bildern ist es schwer, euch nicht insgeheim recht zu geben. Bei gewissen Personen fragt man sich auch als Europäer, wie unter all den Millionen ausgerechnet dieses eine Spermium gewinnen konnte. Und das Wegsperren in die Wohnung wird zum vernünftigen Erziehungskonzept. Von Burkapflicht bei gewissen Anblicken ganz zu schweigen. Und der Gedanke wir im Sommer am Strand noch akuter. Geschlechterübergreifend.

Nun, jetzt ist´s aber so, dass man sich hier frei ausleben darf. Demokratie heisst eben auch, das Verhalten von anderen zu akzeptieren, selbst wenn man selbst es untergründig finden sollte. Ich bin selbst kein Fasnachtsmensch. Massenaufläufe sind mir in jeder Form zuwider, Kälte zehrt an meinen Nerven, Lärm und speiende Menschen machen´s nicht besser.

Allerdings erzähle ich seit Jahren, ich würde gerne irgendwann mal als Mohamed verkleidet auf die Strasse. Aus reinem Spass. Welche andere Figur ist zu diesem Anlass besser geeignet? Fasnacht ist und war immer auch ein politischer Anlass. Als Priester nach den Missbrauchskandalen? Kein Problem. Als Politiker der Stunde? Immer easy. Wieso also nicht auch als Prophet?

Eine passende Verkleidung zu finden ist nicht leicht. Jede Recherche bringt mir entweder KEIN Resultat, oder man sieht aus wie ein Ölscheich. Was nicht das Ziel ist. Und kein Kostümverleih hilft. Am Ende kam ich zu folgendem Ergebnis: Hoher Turban, Bart, langes Bettuch, breiter Stoffgürtel. Am besten ein grosses Krummschwert aus Plastik mitnehmen. Ausserdem könnte man sich noch einen Koran unter den Arm klemmen, ich hab noch einen rumstehen irgendwo.

Meine Umgebung hat mich in den letzten Jahren jeweils davon abgehalten, tatsächlich so auf die Strasse zu gehen. Es sei „in der jetzigen Situation etwas gefährlich“. Den Begriff „jetzig“ können wir unterdessen getrost streichen. Jedes Jahr überlege ich es mir erneut. Einfach weil es Spass machen könnte. Und weil ich neugierig bin.

Eine junge Frau, die im knappen Krankenschwestern-Kostüm kommt, will wissen, ob die Jungs ihren Anblick sexy finden. Das ist OK so, und weiss Gott keine Einladung für übergriffiges Verhalten. Genauso ist es auch, wenn Mohamed durch die Gassen geht. Man möchte wissen, welche Reaktionen es auslöst. Eine Erklärung, gar Entschuldigung für eine gewaltsame, auch nur beleidigende Reaktion, ist das nicht. Punkt.

Mal sehen, wie das Wetter wird. Vielleicht sieht man sich ja. Ich bin dann der Typ im weissen Betttuch.